Silbersee JUL 17

Alia – Auf Herdensuche

Jauljauuul meine Lieben,

da hab ich mir gestern ein „Ding“ geleistet und bin gerade so ganz und gar nicht stolz auf mich. Aber erst mal der Reihe nach, schließlich habt ihr ja schon länger nichts mehr von mir gehört:

Wir waren wieder mal im Botanischen Garten München, seltsames Erlebnis, das hatten wir doch alles schon einmal, oder? Viele Menschenbeine um mich herum, jede Menge potentielle Streichler und Gutzi-Verführer, fade Nachmittage unter dem Tisch in meiner Höhle – und spannende Jagden nach Ringelnattern und Fröschen vor dem Frühstück und nach dem Abendessen. Ich musste dabei feststellen: Auf Seerosen kann man nicht laufen. Und soll ich euch was sagen: Die Wasserspritzanlagen gibt es immer noch – und das Schönste: Kuschelschlafen mit meinen Menschchen auf Augenhöhe mit Froschkonzert aus den Gewächshäusern.

Danach: eine Woche Dorfen mit Gusti und Roberts Mama Antonie (die streichelt mich jetzt schon echt fast ohne Scheu). Dabei Spazierengehen, ein Ausflug nach Seeon, Schwimmen und Toben an der Isen und auf den weiten feuchten Wiesen. Fürchte, hier habe ich auch über die Stränge geschlagen und meine beiden „Erzieher“ werden mich jetzt länger nicht mehr von der Leine lassen. Hüpft doch glatt ein Häschen vor mir auf, hurrraaa, keine Leine, ab die Düse. Fast hätte ich ihn erwischt, dann ist er in so einem hohen Maisfeld verschwunden, der Bazi. Da bin ich dann doch nicht nach, hatte Angst mich zu verlaufen zwischen den Riesenhalmen.

Und am nächsten Tag gab es dann Ente statt Hase: Wir waten gemütlich durch die Isen, links und rechts steiles Ufer voller dichter Pflanzen – und Robert macht die Leine los. Nur … heute fliegt eine Ente vor mir auf – und dieser Lumpenvogel fliegt doch ständig vor mir her, lässt mich näherkommen, fliegt wieder ein Stück weiter, dann habe ich ihn fast, dann startet er wieder durch. Foppt mich voll, der Schlawiner. Robert schreit nach mir, aber ich höre das gar nicht – ja und dann ist Robert weg, so weit bin ich in der Isen gelaufen und geschwommen, immer der Ente nach. Irgendwie ist dann die Ente umgekehrt und wieder zurück – und da war auch der liebe Robert wieder. Na, hier habe ich doch lieber abgedreht und bin bei ihm geblieben statt weiter dem Mistvieh nach.

Und jetzt kommt der „Höhepunkt“: Ich war ja schon ein paarmal bei Uschi und Jürgen, Robert hat zwischendurch immer mal bei Tantchen und Onkel in diesen „Computer“ geguckt und ich hab‘s mir derweil im Garten gemütlich gemacht. Wir besuchen die beiden wieder, uiii, Uschi hat auch immer feine Gutzis für mich – nur dann muss ich dableiben – und Birte, Robert, Gusti und Antonie sind plötzlich weg. Sie sagten was von einem „Ritterturnier“ in „Landshut“. Wiedenwodennwasdenn, lassen die mich hier tatsächlich alleine mit Uschi und Jürgen? Hiiiilfeeee, meine Menschchen sind weg !!! Mal ruhig überlegen. Ich bin ein Aussie und ich bin ein Held, ich finde sicher eine Lösung. Wenn meine Menschchen nicht hier sind, na dann muss ich sie halt suchen, wo immer dieses „Landshut“ auch sein mag. Warten wir mal ein bisschen ab, bis Uschi und Jürgen mal nicht aufpassen … ich trolle mich so ganz „unabsichtlich“ Richtung Zaun … die beiden sind wohl gerade drinnen irgendwo. HOPS, da komme ich doch leicht drüber. OK, jetzt auf die Suche. Gusti und Antonie, die wohnen doch da vorne in so einem Wohnblock (ziemlich ätzend ohne Garten). Mal schauen. Uiiii, da kommen ja doch Uschi und Jürgen und nehmen mich an die Leine. Sch … erwischt, Pech gehabt …

Was, Uschi gibt dem Jürgen die Leine rüber, perfekt, das ist die Gelegenheit! Ab die Düse, volle Kanne, die erwischen mich nicht mehr so schnell !!! Und jetzt … OK, Robert ist ein paarmal mit mir auf dem Radlweg Richtung Velden spaziert – und da wohnen doch noch so ein Onkel und eine Tante. Und da gibt es so ein liebes kleines Mädchen, die heißt Selina und lässt sich gerne von mir schlabbabusseln. Schau ma mal. Puh, ganz schön weit, ein bisschen Angst habe ich doch – oder sogar ein bisschen mehr – oder sogar richtig viel? Hiiilfeee, jetzt bin ich ganz alleine und kenne mich nicht mehr aus … hmmm, da kommen Uschi und Jürgen wieder daher. Grrmmlll, was mache ich jetzt? Finden tu ich meine Herde nicht und ich weiß nicht mehr wo ich hinsoll. Warte halt doch und gehe brav wieder mit „heim“.

Ich war noch nie in meinem Leben so traurig und mutlos, habe mich unter die Bank verzupft, nix getrunken, nix gefressen, Kopf eingezogen, schnüüüüüüüfffff, bin ich ein aaaaarmes Hascherl …

Tscha, und dann kommt meine Herde wieder. Hurraaa – nur … so richtig kann ich meine Freude gar nicht zeigen. Vermute mal, was die da reden in ihrer Menschensprache, das ist ein Bericht von meinem Ausbruch. Ohren einklappen, Kopf hängenlassen.

Was lerne ich daraus: Birte und Robert lassen mich doch eh nie alleine und ich kann ihnen blind vertrauen, keine Ahnung, was für ein Affe mich da gebissen hat.

So, jetzt sind wir wieder daheim in Bad Wimsbach. Trinken, Fressen, Schlafen, viiiiiel Schlafen, selbst das Spazierengehen macht mir heute keinen besonderen Spaß, die Angst vor dem Alleinsein, die steckt noch tief in den Knochen.

Müdes Wuuuff,
Eure etwas geknickte Alia