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Robertitos Reisen – Reisephilosophie In Iguaçú

Robertitos Reisen – Reisephilosophie in Iguaçú

Oí queridos Viajantes,

jetzt muss ich doch meine philosophischen Gedanken zum modernen Reisenden, meinen Beitrag den ich vor ein paar Jahren für RuppertBrasil verfasst hatte, an dieser Stelle erneut aufgreifen – vor allem da ich vor kurzem erneut bei den Wasserfällen von Iguaçú war und sich absolut nichts geändert hat.

Bei der Besichtigung dieses grandiosen Naturschauspiels habe ich einmal ganz bewusst auf die anderen Reisenden geachtet und das Ergebnis ist meines Erachtens erschreckend.

Die jüngeren Besucher, egal welcher Nation: lachen, kichern, machen Selfies und sind dann wieder weg. Gesehen, gepostet, abgehakt.

Das „Mittelalter“, so wie ich selbst: sucht meist händeringend nach dem besten Fotomotiv und ärgert sich, dass schon wieder jemand im Bild steht, drängelt sich schiebend und drückend nach vorne. Den Schmetterling auf meiner Hand zu fotografieren, das hat enorm viel Geduld gefordert – nicht weil er wegfliegen wollte, der hat genüsslich Salz geleckt – sondern weil mich andere Reisende immer wieder ganz hektisch angerempelt und das Tierchen fast verscheucht haben.

Ja, ich gebe zu: ich fotografiere auch gerne und versuche auch, „schöne“ Fotos zu machen. Das Wichtigste dabei ist mir die Erinnerung, die Freude später daheim im kalten Winter beim Betrachten der Bilder die Reise noch einmal zu erleben. Schließlich schafft unser armes Hirn es ja kaum, während der Reise selbst all das Neue in der kurzen Zeit im Langzeitspeicher abzulegen. Aber ich vergesse beim Fotografieren nie, jedes Detail um mich herum bewusst zu erleben, zu genießen, aufzusaugen mit allen meinen Sinnen – und Hektik lasse ich gar nicht erst aufkommen.

Fehlen noch die älteren Reisenden: Fotografieren weniger, aber beklagen sich und schimpfen fast ununterbrochen – über die Hitze, dass man nass wird, dass hier viel zu viel los ist etc. – statt einfach einen Schritt langsamer zu schalten. Überhaupt: das Tempo, mit dem die Touristen über die Stege von Iguaçú hetzen, das macht einem Einkaufssamstag in der Vorweihnachtszeit alle Ehre.

Was fast vollständig fehlt, egal welchen Alters und welcher Nation, das ist die Ehrfurcht, das Staunen, das Genießen. Ich habe wirklich bewusst darauf geachtet und nur ein anderes (deutsches) Ehepaar gesehen, das hier wirklich „geistig anwesend“ war und die Wasserfälle von Iguaçú – sicher eines der spektakulärsten Naturschauspiele unserer wunderschönen Erde – bewusst wahrgenommen hat. Die Rußsegler hinter den Fällen, die saßen praktisch vor unserer Nase – an prominenter Stelle mit vielen anderen Besuchern. Keinem sind sie aufgefallen, selbst als wir selber die Linse darauf gerichtet haben.

Vor ein paar Jahren haben wir noch über die Asiaten gelacht – ja, dort tickt man ein bisschen anders und das Reisen hat einfach einen anderen Stellenwert, sollen sie damit glücklich sein. Aber wir, die Europäer, seit wann ist denn auch bei uns das Bild von sich selbst das Wichtigste? Das Bild, das man auf Facebook stellt um den anderen zu beweisen, dass man da war, sich die Reise leisten kann? Wie kann das wichtiger sein als das eigene persönliche Erleben? Wieso bezahlen so viele Leute so viel Geld um in ferne Länder zu reisen, wenn sie es dann vor Ort nicht schaffen, mit vollen Sinnen dort zu sein? Traurig! Irgendetwas verstehe ich am modernen Reisenden nicht.

Übrigens, gleich noch ein Tipp an passender Stelle: wenn jemand die Wasserfälle von Iguaçú vollkommen „entschleunigt“ sehen will, dann gibt es nur eine Lösung: Eine Übernachtung im BELMOND HOTEL DAS CATARATAS, dem einzigen Hotel innerhalb des brasilianischen Nationalparks. Auch wenn es noch so teuer ist, es ist jeden Cent wert. Sobald die Tagesbesucher weg sind, teilt man sich das Erlebnis nur noch mit ein paar wenigen anderen Hotelgästen und kann irre tolle Stimmungen zur Abend- und Morgendämmerung erleben. Nix wie hin!

Beijocas, Robertinho